Zum Anfang etwas erfreuliches, die Fangmeldungen 2005 sind ausgewertet und zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend. 2005 sind 8021 kg Fische gefangen und in die Fangmeldungen eingetragen worden, das sind 1205 kg mehr als 2004 und 1820 kg mehr als im Jahr 2003.
Bei den einzelnen Fischarten verhält es sich so, das beim Aal von 2004 auf 2005 die Fangmenge um 39 kg auf 750 kg gestiegen ist, der Hecht ist bei einem Gesamtgewicht von knapp 800 kg geblieben, die Fangmenge beim Karpfen ist um 144 kg auf 1505 kg gestiegen. Im Jahre 2003 wurden noch 370 kg Zander gefangen, 2005 waren es bereits 740 kg, dieses ist auch ein Erfolg der Besatzpolitik, die schon von Heinz Schwantje in einer seiner letzten Amtshandlungen eingeleitet wurde. Der Fang von Bachforellen ist auch geringfügig auf ca. 430 kg angestiegen. Die Meldungen der Schleie pendeln sich um die 90 kg ein, Barsche wurden etwa 120 kg gefangen und bei den Weißfischen verbuchen wir eine Steigerung von 933 kg auf nunmehr 3542 kg.
Diese Zahlen sind sehr ermutigend, stellt sich nur die Frage, ob mehr gefangen wurde oder einige Mitglieder auf mein unermüdliches Hinweisen endlich ihren Kugelschreiber gefunden haben. Auffällig ist hierbei, dass die Angler der Ortsgruppe Friesoythe 2005 besonders viel Zeit zum Angeln hatten, mit 1567 kg fingen sie satte 600 kg mehr als im Vorjahr, hierzu meine besondere Anerkennung.
Bei den verschiedenen Elektrokontrollfischen stellte sich das gleiche Bild wie immer, dort wo Strukturvielfalt im Gewässer herrscht, sei es in Form von Totholz, Steinen, Flachwasserzonen, tiefe Gumpen usw., findet sich eine Vielzahl verschiedener Fischarten. Im Gegensatz zu den so genannten ausgebauten Gewässerstrecken in diesem Regelprofil Abflussrinnen finden wir nur selten einige wenige verirrte Fische, schließlich stellen wie unser Bett auch nicht auf die Autobahn. „Highlights” beim E-Fischen im letzten Jahr waren 2 schön gewachsene Quappen in der Lahe, einige große Rapfen in der Soeste und unsere Meerforellenbabys, die als Brütlinge im Frühjahr in Marka und Deelschloot eine neue Heimat fanden, entwickelten sind bis zum Herbst überdurchschnittlich gut zu richtigen kleinen Fischen.
Eine weitere große Aufgabe war im Herbst das Lachsmonitoring, hierzu erst einmal ein Dankeschön an allen Helfer. Das Monitoring lief wie im Jahr zuvor in Form einer Fisch โ Lachsfalle. Die wir, zum anfänglichen leichten Ärgernis vom Biologen Dr. Jens Salva, nicht genau nach seinem Plan sondern nach unseren Erfahrungen aus dem Vorjahr modifiziert hatten. Aber sie funktionierte.
Es wurden viele verschiedene Fischarten gefangen, bestimmt, freigelassen und Frau Lecur vom Laves gemeldet. Aber kein Lachs, - dieser hat sich verschwommen und ist nicht in Barßel rechts abgebogen sondern bis zum Zwischenahner Meer weitergeschwommen, wo er von einem dort ansässigen Berufsfischer geborgen wurde. Es handelte sich um einen Milchner, der abgeleicht hatte, daraus können wir schließen, dass er nicht alleine war, denn Lachse machen es sich normalerweise nicht selber.
Nach Untersuchungen von Experten des „DCV Danmark Center for Wildlachs” können wir mit 95%er Sicherheit sagen, es ist ein Lachs, den wir als Smolt im Konvoi zur Nordsee gebracht haben. Ich erwarte diesen Herbst ganz optimistisch, nein ganz sicher mehrere laichreife Lachse, die in Barßel richtig abbiegen und den Weg zu uns finden.
Unsere Gewässerwarte sind nicht nur auf Vereinsebene, sondern auch Federführend in den Vereinsübergreifenden Gremien. Z.B. ist Theo Kathmann mit mir bei der Besatzgemeinschaft für den Küstenkanal tätig, Martin Wieborg und ich arbeiten mit den Gewässerwarten des Gebiets Fischsterben 2002 zusammen und Ludger Wieborg ist auch mit meiner Unterstützung zuständig für die Arbeit der Gewässerwarte der Besatzgemeinschaft Sagter Ems โ Leda.
Diese drei stehen heute mal stellvertretend für alle unsere Gewässerwarte, die aufopferungsvolle Arbeit für unsern Verein geleistet haben. Ich sage allen dafür danke.
Um den Stellenwert unserer Gewässerwarte auch außerhalb der Vereinsgrenzen einmal darzustellen sei gesagt, dass ich als Hauptgewässerwart unseres Vereins von den Vereinen des Flusseinzugsgebietes Leda und Jümme, immerhin fast 10.000 Angler, als Flussgebietsbeauftragter für die Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinien gewählt wurde und so als Bindeglied zwischen den Vereinen und dem Landesverband fungiere.
Ausgebildet wurde auch wie immer sehr erfolgreich. Eine Vielzahl von zukünftigen Fischern sind neben der fachlichen und technischen Ausbildung von unseren Ausbildern an ein tierschutzgerechtes und umweltbewusstes Verhalten am Gewässer herangeführt worden.
Der notwendige Fischbesatz für dieses Jahr wird in der Gewässerwarteversammlung Ende dieses Monats diskutiert und beschlossen.
Hierzu einige eigene Gedanken: Wenn wir uns ein Fließgewässer anschauen, wie sind diese eingeteilt, als Bach, kleiner Fluss oder als Fluss und was bedeutet es?
Definition Bach:
Ein Bach ist ein nicht allzu breites, mal schnell und mal langsam fließendes natürliches Gewässer. Üblicherweise wird ein Fließgewässer als Bach bezeichnet, wenn es nicht breiter als 5m ist. Breitere Fließgewässer gelten als Flüsse. Kennzeichnend für den Bach oder den kleinen Fluss sind Strömungsgeschwindigkeit, Sauerstoffgehalt, Lichtverhältnisse sowie die im Bach auftretenden Organismen. Weiterhin ist charakterisierent, dass sein Wasserspiegel steigt und sinkt, im Bach enthaltene Substrate sich verlagern, ja sogar der lauf des Baches sich mit der Zeit verändern kann. Der typische Bach oder auch kleine Fluss unterliegt daher einer natürlichen Dynamik. Die Strömungsgeschwindigkeit wird durch im Bach befindliche Steine, Totholz und kleinere Inseln, Verengungen, örtliche Vertiefungen oder flachere Bereiche
beeinflusst.
Soweit die Definition, doch wo finden wir noch solche Strukturen?
Die meisten unserer heimischen Gewässer sind in der Vergangenheit mehr oder minder verändert worden, so das der Begriff „Bach oder Fluss” wohl eher in Kanal umgewandelt werden muß.
Ein wichtiger Faktor in der Bewirtschaftung der Gewässer muss daher in der Verbesserung der Strukturvielfalt im und am Wasser liegen. Diese Bedeutung wird auch durch den ยง 40 des Niedersächsischen Fischereigesetzes unterstrichen, „der Fischereiberechtigte hat einen der Art des Gewässers entsprechenden Fischbestand zu erhalten und zu hegen”. Wie soll der Fischereiverein seiner gesetzlichen Hegepflicht nachkommen, wenn essentielle Strukturen innerhalb eines Gewässers aufgrund von Ausbau und โ oder Gewässerunterhaltung fehlen, so dass entweder die Reproduktion oder ein langfristiges Überleben der einzelnen Fischarten nicht möglich ist.
Maßnahmen zur Strukturverbesserung müssen auf den jeweiligen Gewässerabschnitt abgestimmt und auch in der Praxis umsetzbar sein, z.B. Anlage von Laichbetten, Schaffung von Unterständen, Strömungsgleiten usw.
Das Ziel ist immer das gleiche: Die Erhaltung und Pflege einer artenreichen Lebensgemeinschaft im und am Gewässer.
Hierzu sind erste sehr gute Ansätze mit der Friesoyther Wasseracht insbesondere mit Herrn Heinrich Germann in Arbeit, so das wir in Zukunft nicht mehr so vom Besatzfich abhängig sind. Ganz auf Fischbesatz werden wir sicher nie verzichten können, aber jeder Fisch der sich natürlich vermehrt, den brauchen wir nicht zu kaufen.
Meine Enkeltochter Emily sollte letzte Woche im Kindergarten basteln. Sie nahm einen durchsichtigen Eimer, füllte diesen ca. ein Drittel mit Kieselsteinen und füllte Wasser auf. Auf der Frage der erstaunten Erzieherin, was das darstellen sollte antwortete Emily: „es ist ein Kinderzimmer für kleine Lachse und Meerforellen”. Jetzt schaut sie ständig nach, ob schon Fische in ihrem Minihabitat angekommen sind.
Damit in Zukunft, wenn unsere Enkelkinder ihre Heimat beschreiben sollen, sie nicht nur von 4 m hohem Mais reden, sondern auch von naturnahen Bächen und Flüssen berichten können, arbeiten wir weiter an diesem Ziel.
Denn nur wo sich unsere heimischen Fischarten entwickeln können, wird es auch für kommende Generationen möglich sein, unser schönes Hobby, ja unsere Leidenschaft fürs Angeln in der Natur nachzukommen.
Wenn uns das „natürliche Bäche und Flüsse wieder herzustellen” auch nur ansatzweise gelingt, schaffen wir uns ein viel wertvolleres Denkmal als alle Bronzefiguren und Messingschilder zusammen.
Ich rechne mit eurer Unterstützung und hoffe, dass ihr mir in einigen Projekten freie Hand gewährt, denn in Sachen Natur muß man auch mal unpopuläre und schnelle Entscheidungen treffen, damit habe ich kein Problem.
Danke für eure Aufmerksamkeit und euer Vertrauen und für dieses Jahr besonders viel Freude in der Natur und am Gewässer.
KNUT THOLEN, Hauptgewässerwart





