Wappen Fischereiverein für den Bezirk der Friesoyther Wasseracht e.V.

Abwasser zerstört das Leben im Fluss
Fischereiverein Friesoythe startet Aktion „Saubere Gewässer"
Der Fischereiverein will mit verstärkten Kontrollen gegen Umweltfrevler vorgehen.
Ein Elektrofischen brachte ein erschreckendes Ergebnis.

Von Thomas Haselier und Thomas Neunaber, NWZ, 10.03.2007

FRIESOYTHE/NEUVREES - Der Fischereiverein Friesoythe hat eine Aktion „Saubere Gewässer" gestartet. Bei einer Versammlung der Gewässerwarte wurde auf deutlich zugenommene Umweltverstöße hingewiesen, die viele, vor allem kleine Gewässer im Zuständigkeitsbereich der Friesoyther Wasseracht belasteten.
Hauptgewässerwart Knut Tholen wies darauf hin, dass der Fischereiverein verstärkt auch kleinere Flüsschen kontrollieren und Umweltverstöße unnachsichtig zur Anzeige bringen werde. Beim Elektrofischen stellten Knut Tholen und Hermann Schade fest, dass im verunreinigten Flussabschnitt keine Fische mehr leben. Auch das Kleingetier im Flusssand, wie Bachflohkrebse, ist hier nicht mehr anzutreffen. 
BILD: THOMAS NEUNABER NWZ

Auslöser für die inzwischen „schärfere Gangart" war nicht zuletzt der wiederholte Verstoß eines Landwirtes in Neuvrees, durch den – wie berichtet – große Mengen Sickerwasser aus einer Biogasanlagen-Silage in den Delschloot geflossen waren. Auf rund drei Kilometern Länge ist der kleine Zufluss zur Marka völlig verpilzt. Der Delschloot gilt als eines der wichtigsten Gewässer für Jungfische und seltene Fischarten wie Bachschmerlen und Bachneunaugen. „Bachschmerlen und Meerforellen sind quasi ein Indikator für gute Gewässerqualität", sagte Gewäs-serwart Gerhard Abeln.

Jetzt wurde bei einem Elektrofischen am Delschloot geprüft, ob es überhaupt noch Fische im betroffenen Bereich gibt. Elektrofischerei ist eine Methode zur Bewertung der Fischbestände, in dem man elektrischen Strom ins Wasser leitet und dadurch die Fische betäubt. Anschließend können die Fische entnommen und nach Arten und Größen bestimmt werden.
Das Ergebnis des Fischereivereins ist niederschmetternd: „In diesem Abschnitt ist der Delschloot beinahe biologisch tot", so die Bilanz von Hauptgewässerwart Knut Tholen, unter dessen Leitung das Elektrofischen durchgeführt wurde.

Außerdem gab es auch noch eine biologische Gewässeranalyse. Auch das Ergebnis zeigt, was passiert, wenn Abwässer in Flüsse gelangen: Von den für den Fischnachwuchs wichtigen Bachflohkrebsen, die es hier sonst in großer Zahl gibt, keine Spur, auch andere Kleinstlebewesen gibt es kaum noch.

Früher gehörte auch dieser Abschnitt des Delschlootes zur Gewässergüteklasse I bis II (gering belastet). Gewässerwart Gerhard Abeln, der den Umweltverstoß am Delschloot gemeldet hatte, sagte dazu: „Es zeigt sich an diesem Beispiel deutlich, dass es noch viel zu wenig Sensibilität gibt, auf die Gesundheit der Gewässer zu achten." Der Delschloot sei kein Einzelfall.

Tholen und Abeln kündigten verstärkte Kontrollen auch entlang der kleinen Zuläufe an. „Es gab immer wieder Fälle, wo über Drainagen Gülle und Silageabwässer deutlich entfernt vom eigentlichen Ursprung in die Gewässer geleitet wurden", berichtet Tholen. Auch solche Fälle würden entdeckt und angezeigt. „Niemand kann sich jetzt noch herausreden, er habe das nicht gewusst", warnt der Hauptgewässerwart vor weiteren Verstößen.

Bei Verurteilungen drohten Bußgelder, die erst bei 5000,- € begännen. Der Fischereiverein lehnt aber zugleich eine pauschale Verurteilung der Landwirtschaft ab. „Sehr viele Landwirte bemühen sich, die gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz der Gewässer einzuhalten", meint Tholen. Auch ihretwegen müssten „schwarze Schafe" entdeckt und bestraft werden, weil diese sich sonst folgenlos illegal wirtschaftliche Vorteile verschafften.

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