Wappen Fischereiverein für den Bezirk der Friesoyther Wasseracht e.V.

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Kiemennekrose

Im Kiemengewebe der Fische befinden sich verschiedene Zelltypen mit recht unterschiedlichen Aufgaben. Neben Abwehr- und Schleimzellen finden sich auch so genannte Chloridzellen, die für die Ein- und Ausschleusung von Salzen bedeutsam sind. Insbesondere bei Fischen, die zwischen Süß- und Salzwasser wandern, müssen Anpassungen im Salzhaushalt durch Vermehrung der Chloridzellen stattfinden, damit sie diese Umweltveränderung überleben können.

Die Kiemen, sichtbar sind diese als rote Lamellen unter den Kiemendeckeln, gehören zu den bedeutendsten Fischorganen. Wichtigste Aufgabe ist natürlich die Atmung, aber auch die Aufrechterhaltung des Salz- und Wasserhaushaltes sowie die Ausscheidung von Endprodukten des Stickstoffstoffwechsels wie Ammoniak und Harnstoff. Somit entspricht die Funktion der Kiemen nicht nur der menschlichen Lungen-, sondern auch der Nierenfunktion.




Die Schleimbildung führt zur Behinderung des Gasaustausches.
Das Gewebe ist teilweise abgestorben.


Um diese Aufgaben erfüllen zu können, weisen die Kiemen eine vergrößerte Oberfläche auf, diese haben ausgebreitet mindestens die gleiche Fläche wie die gesamte Hautoberfläche des Fisches. Diese Oberflächenvergrößerung wird erreicht durch die Ausbildung von Primärlamellen (auch mit bloßem Auge erkennbar) und mikroskopisch kleinen Sekundärlamellen.
Zum Gasaustausch (Atmung) sind die Sekundärlamellen mit einer hauchdünnen Zelllage (Epithel) ausgestattet, die das Körperinnere von der Umwelt trennt. Diese sind ca. 0,5 µm dick. Der spezielle Aufbau der Kiemen macht sie aber auch sehr empfindlich. Die Kiemen sind allen Stoffen, auch giftigen, im Wasser direkt ausgesetzt. Ebenso Krankheitserreger, die die Kiemen selber befallen oder an dieser Stelle in den Körper eindringen können, haben leicht Zugang.

Viele Außenparasiten bevorzugen die Kiemen als Standort, weil sie hier mit sauerstoffreichem Wasser und Nahrung versorgt werden und in der Kiemenhöhle geschützt leben können. Durch den einfachen Bau der Kiemen hat dieses Organ nur begrenzte Möglichkeiten, auf schädliche Einflüsse zu reagieren.

Unabhängig von der Ursache kommt es meist zuerst zu einer vermehrten Schleimbildung, gefolgt von einer Verdickung des Kiemenepithels durch Vermehrung der Zellen. Dies führt dann zu einer Behinderung des Gasaustausches, welchem oft die Bildung einer klebrigen Schicht auf der Kiemenoberfläche folgt, was wiederum die Ansiedlung von Bakterien begünstigt. Weitergehende Schädigungen der Kiemen können sich äußern in Thrombosenbildung in den Kapillaren, Verwachsungen zwischen den Sekundär- und Primärlamellen, Wasseransammlung im Gewebe, Ablösung des Epithels bis hin zum völligen Absterben des Gewebes (Kiemennekrose).

Bei diesen Vorgängen werden die lebenswichtigen Funktionen der Kiemen beeinträchtigt oder kommen ganz zum Erliegen, das Geschehen kann tödlich enden. Schädigungen der Kiemen haben zwar häufig äußere Ursachen oder werden durch kiemenspezifische Krankheitserreger wie Parasiten, Pilze oder Bakterien verursacht, jedoch können sich auch innere Schädigungen auf den Kiemen niederschlagen. Hier kommen bestimmte Nährstoffmängel, Stoffwechselstörungen sowie Allgemeininfektionen mit Bakterien oder Viren in Betracht. Ein Beispiel ist dabei die KHV- (Koi-Herpes-Virus) Infektion, die bei Speisekarpfen zu massiven Verlusten in Verbindung mit Kiemenveränderungen führt.




Mit Koi-Herpes infizierte Speisekarpfen


Kiemenfäule
Eine durch zwei Vertreter der Gattung Branchiomyces hervorgerufene Pilzerkrankung ist die Kiemenfäule. Der Pilz tritt zunächst innerhalb der Kiemenepithelien auf und bricht bei weiterem Wachstum nach außen durch. Kiemenfäule kann besonders im Sommer bei hohen Wassertemperaturen in stark eutrophierten Teichen mit dichtem Fischbesatz zu großen Verlusten führen.

Bei erkrankten Fischen beobachtet man folgende Symptome: Luftschnappen, Kiemenschwellung und Blutergüsse an den Kiemen, äußerlich sichtbare Verpilzung und gelblich bis braune Verfärbung des Kiemengewebes. Im Endstadium sind die Kiemen dann weitgehend zerstört. Bei genügend starker Vergrößerung unter dem Mikroskop sind in abgeschnittenem Kiemengewebe die Pilzschläuche und Sporen gut auszumachen.



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