Zum Gesamtbild eines Fließgewässers, mithin auch zur Charakterisierung seines
qualitativen Zustandes, gehört unabdingbar neben seinem hydrographischen, chemischen und
physikalischen Zustand seine Besiedlung mit Tieren und Pflanzen. Jedes natürliche oder
künstliche Fließgewässer enthält diese Besiedlung, sofern nicht irgendwelche Ursachen
jedes Leben in ihnen ausschließen.
Jeder im Wasser lebende Organismus ist auf einen bestimmten Zustand seines
Wohngewässers angewiesen; er stellt bestimmte Ansprüche an seine Umwelt. Bei Kenntnis
dieser Ansprüche ist es möglich, von der in einem Gewässer vorhandenen Besiedlung auf
dessen Zustand zu schließen. Dies ist Ziel und Aufgabe der biologisch-ökologischen
Gewässeranalyse.
Im Jahre 1902 haben Kolkwitz und Marsson die Reaktion der Pflanzen und
Tiergemeinschaften der Gewässer auf verschieden hohe organische Belastung systematisch
untersucht. Ihre Beobachtungen wurden im sogenannten Saprobiensystem zusammengefasst.
Das Saprobiensystem ist ein Verzeichnis derjenigen Pflanzen- und Tierarten, die einen
bestimmten Grad organischer Gewässerbelastung (Saprobität oder Saprobie) als biologische
Indikatoren anzeigen. Das System beruht auf empirischen Freilandbeobachtungen über das
bevorzugte Auftreten bestimmter Indikatororganismen in abgestuften Klassen der
Saprobität. Es ist die Stammform des heutigen Verfahrens zur biologischen Indikation der
Gewässergüte, das inzwischen als DIN-Verfahren (DIN 38410) erstmals eine einheitliche
Liste von Bioindikatoren vorstellt.
Die Gewässergüteklassen
Der Zustand unserer Gewässer wird heute meist durch 7
Gewauml;ssergüteklassen, bestehend aus 4 Hauptgüteklassen und 3 Zwischenstufen, klassifiziert. Die 3 Zwischenstufen haben im Laufe der Zeit inzwischen den Charakter vollwertiger Gewässergüteklassen erhalten. Zur
Beschreibung der Güteklassen dienen typische biologische Merkmale, die nach dem
Saprobienindex klassifiziert sind oder aber nach anderen
speziellen Verfahren eingestuft werden.